Kinder experimentieren im Labor

Grundschüler machen chemische Versuche mit alltäglichen Stoffen

18.01.2008 Karin Ait Atmane

Dritt- und Viertklässler werden im Labor selbst aktiv und entdecken so Naturwissenschaften wie die Chemie. Der Andrang im Stuttgarter Fehling-Lab ist enorm.

Deutschland braucht Naturwissenschaftler, das ist bekannt. Im Grundschulalter entdecken Kinder die Welt und erweitern ihren Horizont. Sie sind wissbegierig wie in keinem anderen Lebensabschnitt und offen für Neues, auch für Fächer wie Physik oder Chemie.

Dem Entdeckerdrang kommen Kinderlabors entgegen: zum Beispiel das Fehling-Lab, eine gemeinsame Einrichtung der Universitäten Stuttgart und Hohenheim. Hier erleben schon Dritt- und Viertklässler Naturwissenschaft hautnah und anschaulich. Die Begeisterung ist groß, der Andrang enorm - derzeit heißt es, sieben Jahre auf einen Termin warten.

Experimente am Spiritusbrenner

"He, das sprudelt ja!" Eine Reihe von Drittklässlern blickt gespannt auf den Teelöffel, den sie über die Flamme ihres Spiritusbrenners halten. Im weißen Kittel, mit der Schutzbrille auf der Nase, sehen sie wie kleine Professoren aus. Auf dem Löffel blubbert es, Wasser verdampft, weiße Kristalle bleiben übrig. "Wir haben Salz gemacht!", bemerkt Robin fachmännisch. "Nicht wirklich gemacht, nur wieder aus dem Wasser rausgeholt", stellt Betreuer Tassilo Kaule richtig. Denn zuvor hatten die Schüler das Salz im Reagenzglas aufgelöst, indem sie nach und nach Wasser zugaben, behutsam schüttelten, genau hinschauten: Sind noch Kristalle drin oder bleibt nur eine durchsichtige Flüssigkeit? Wie viele Pipetten Wasser braucht es für einen gestrichenen Messlöffel Salz?

Naturwissenschaften möglichst früh vermitteln

"Im Alter von fünf bis neun Jahren saugen die Kinder wie ein Schwamm solche Dinge auf", sagt Professor Dr. Peter Menzel. "Naturwissenschaftliches Experimentieren, das geht mit denen unwahrscheinlich gut." Menzel ist Initiator und Leiter des Kinderlabors, eines gemeinsamen Projektes des Instituts für Didaktik der Naturwissenschaften der Universität Hohenheim und der Fakultät Chemie der Universität Stuttgart.

Fachleute haben schon lange vor Pisa darauf hingewiesen, dass das Interesse an Naturwissenschaften in Deutschland früher geweckt und mehr gepflegt werden sollte. "Die Erkenntnis besteht bundesweit", bestätigt Menzel. "Man muss in der Grundschule anfangen und sich dann immer weiter hochziehen, kontinuierlich und ohne Lücke. Man kann sogar im Kindergarten schon damit anfangen."

KInder dokumentieren den Besuch

Ähnliche Einrichtungen wie das Fehling-Lab gibt es bundesweit an anderen Universitäten, aber auch in Forschungseinrichtungen, Museen oder in Industriebetrieben. Ganzheitlich und aktiv, mit allen Sinnen soll gelernt werden. Dem Laborteam in Stuttgart ist wichtig, dass die jungen Forscher nicht nur ihren Spieltrieb ausleben, sondern vom dreistündigen Besuch auch etwas mitnehmen. Bestätigung dafür liefern die Bilder und Geschichten, die die Jungen und Mädchen später in der Schule kreieren. Jedes Kind schickt nach dem Besuch ein Werk ein, das den Laborbesuch aus seiner Sicht dokumentiert. "Es erstaunt uns immer wieder, wie unglaublich gut die Kinder sich das alles merken können und was wir für Rückmeldungen bekommen", erzählt Geschäftsführer Dr. Marco Spurk. Seit der Eröffnung im Dezember 2001 haben mehr als 650 Klassen aus Baden-Württemberg das Fehling-Lab besucht.

Chemie mit alltäglichen Stoffen

Mit Hilfe alltäglicher Stoffe tauchen die Kinder in die Welt der Chemie ein: Sie experimentieren im Kristalllabor mit Zucker und Salz, fangen im Riechlabor den Duft von Lavendel ein, lassen im Farblabor Filzstiftstriche zu bizarren Kunstwerken zerfließen.

Seit dem Schuljahr 05/06 hat das Fehling-Lab außerdem das Säure-Labor, das Forensik-Labor und das CO2-Labor für die Klassenstufen 5 bis 7 im Programm. Für ältere Schüler wird "Chemie mit der Mikrowelle" angeboten.

Einweisung für Pädagogen

Damit der Besuch keine Eintagsfliege bleibt, weist das Labor-Team die Begleitpersonen ins einfache Experimentieren ein. Interessierte Pädagogen können sich auch zu Schulungen anmelden: Das Fehling-Lab bietet als Lehrerfortbildungszentrum für Chemie eine Auswahl von Veranstaltungen für alle Schularten.

Nachfrage ist enorm

Im Labor selbst lag die Wartezeit für Grundschulklassen Ende 2007 wie erwähnt bei rund sieben Jahren. Deshalb können sich eigentlich nur Lehrer und Lehrerinnen vormerken lassen, zum Nutzen künftiger Schüler. "Wir sind am Ende der Kapazität", bedauert Menzel. Damit meint er nicht die Räumlichkeiten, die noch stärker ausgelastet werden könnten, sondern die Personaldecke: Mehr Stunden und unbefristete Stellen wären notwendig.

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